Radsportfieber in Frankfurt

Radklassiker "Eschborn-Frankfurt" mit Lipödem

Frankfurt ist im Radsportfieber und ich bin mittendrin. Viele Monate hatte ich mich auf diesen Tag vorbereitet und konnte es kaum erwarten.

Nach einigen Wochen Anfängertraining im Triathlon-Verein, dass meine Grundlagenausdauer steigern sollte, war die Überlegung, welche Wettkämpfe ich im kommenden Jahr 2018 absolvieren wollte. Als Wahlfrankfurterin musste ich auch nicht lange überlegen und meldete mich bereits im Oktober 2017 für den Radklassiker am 01. Mai 2018 an. Ein riesen Spektakel, welches ich in den Jahren zuvor begeistert als Zuschauerin verfolgte.

Am Renntag klingelte der Wecker bereits um 6:20 Uhr. Immerhin hatten sich über 5.000 Teilnehmer für die Jedermann-Rennen angemeldet und die Parkplatzsituation ist dafür definitiv nicht ausgelegt. Der frühe Vogel ist da auf der sicheren Seite.

Um 8:45 Uhr fiel der Startschuss und ich rollte nach einigen Startblöcken gegen 9:00 Uhr über die Startlinie. Ein schöner Kurs nach Frankfurt, durch die Innenstadt hinauf zum Riedberg über Bad Homburg und Oberursel an Schwalbach vorbei zurück nach Eschborn. Der Wind hatte es in sich und kam gefühlt ständig von vorne oder der Seite. Ich versuchte mich größtmöglich im Windschatten der anderen Fahrer aufzuhalten, um Kräfte für die Anstiege zu sparen. Einige waren recht flott unterwegs, aber das entmutigte mich keinesfalls, denn ich fuhr dieses Rennen nur für mich ganz allein. Heil unter zwei Stunden ankommen war die Devise.

Die vielen Jubelrufe und Motivationsplakate haben mich gepusht und zum Winken hat die Kraft allemal gereicht. Auch wenn die Strecke einige anspruchsvolle Abschnitte hatte. Ich habe dort echt Federn gelassen, aber ans Aufgeben nie gedacht. Der krönende Abschluss der Strecke war die Talfahrt hinunter Richtung Eschborn mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Ein paar Tränen flossen über meine Wangen, beim Gedanken daran, es bald endlich geschafft zu haben. Auf der Zielgeraden mobilisierte ich noch einmal alle Kräfte für einen Schlussprint.

Hinterm Zielbogen sah ich dann auch meine bessere Hälfte jubeln. Man hat ihm angesehen, dass er verdammt stolz auf mich war. Und ich war es auch. In 1:52:00 hab ich es ins Ziel geschafft. 118. von 259 teilnehmenden Frauen und 42. von 79 Teilnehmern in meiner Altersklasse. Ich war unglaublich kaputt, zufrieden und wirklich stolz.

Und das Lipödem? Das habe ich an diesem Tag total vergessen.

Zur Autorin  Mein Name ist Verena. Ich bin 31 Jahre alt und komme gebürtig aus einem kleinen Ort in der Eifel. Seit 4 Jahren wohne ich nun in Frankfurt am Main und habe hier auch erstmalig das Lipödem diagnostiziert bekommen. 2017 hat mich das Triathlonfieber gepackt und dieses Jahr werde ich einige Wettkämpfe bestreiten. Ich lasse mich vom Lipödem nicht unter kriegen und möchte Betroffene ermutigen, Spaß an Sport und Bewegung zu haben.

 

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