Bodybuilding mit Lipödem

Ein Interview mit Ivona Gligic – Von Anna Schad

Die Lipödem-Community ist voller inspirierender Frauen, die mit Sport und gesunder Ernährung ihren persönlichen Weg hin zu einem besseren Leben mit Lipödem bestreiten. Im Rahmen des #motivationmonday wollen wir diese Frauen zu Wort kommen lassen. In einem eigenen Beitrag oder in Form eines kleinen Interviews.

Am 13. August 2018 durfte ich hierfür eine sehr motivierende Frau besuchen und einen Tag begleiten. So, wie sie ihren Montag sonst auch verbringt: Nach der Arbeit zum Training, Einkaufen, Kochen und einem entspannten Plausch auf der Couch über ein interessantes Thema. Bodybuilding mit Lipödem.

Wer ihr Profil bei Instagram verfolgt, weiß, dass Ivona Gligic nicht nur wie viele andere Frauen regelmäßig ins Fitnessstudio geht, um den Körper nach den eigenen Vorstellungen zu formen. Ivona geht noch einen Schritt weiter: Mit der Teilnahme an regionalen Bodybuilding-Wettbewerben bringt sie ihren Körper ans Limit und beweist sich sowie ihrer Umwelt, dass Lipödem kein Hindernis ist, wenn man sich feste Ziele im Leben steckt und seine Träume wahr werden lässt.

Anna: Vielen Dank, dass ich dich heute besuchen und dich in deinem ganz normalen Alltag begleiten darf. Einer mittlerweile umfangreichen Fangemeinde auf Instagram bist du als „Bodybuilderin mit Lipödem“ bekannt. Wie lange betreibst du diesen Sport bisher und wie haben sich deine Ziele in dieser Zeit verändert?

Ivona: Bodybuilding wie ich es derzeit mache und wie alle mich kennen, betreibe ich seit 3 Jahre. Intensiv ohne Trainingspause. Damit ist gemeint – ich habe keine längere Zeit ausgesetzt habe. Außer ich war zum Beispiel erkältet. Dann muss man pausieren. Aber Kraftsport wie man es im Volksmund als Fitness kennt mache ich Zeit ca. 15 Jahren.

Wobei ich dazu sagen muss, dass ich nie unsportlich war. Als Kind habe ich Tennis gespielt und dass fast bis zu meinem 18. Lebensjahr. Meine Ziele haben sie soweit verändert, dass ich jetzt nur beim Bodybuilding bin und den „perfekten weiblich muskulösen Köper“ haben möchte. Früher ging es um Tennis, dann später immer nur ums krampfhafte Abnehmen und jetzt habe ich das Gefühl angekommen zu sein. Ich lebe diesen Lifestyle und er gefällt mir sehr.

Anna: Man merkt dir auch wirklich an, dass du den für dich passenden Lebensstil gefunden hast und damit glücklich bist. Hierdurch konntest du ja auch sehr gute gesundheitliche Erfolge im Bezug auf die Krankheit Lipödem erreichen. Seit wann weißt du von der Krankheit und welche Veränderungen hast du in den letzten 3 Jahren beobachten können?

Ivona: Ich hatte schon länger den Verdacht, dass etwas nicht stimmt, wusste aber nicht was. Ich habe durch einen Schicksalsschlag Medikamente nehmen müssen, die mich sehr dick gemacht hatten. Als ich abgenommen hatte, merkte ich, das definitiv etwas nicht stimmen kann. Arme und Beine passten nicht zu der ansonsten sehr guten Abnahme von fast 30 kg. Dann habe ich einen Bericht bei Stern TV gesehen. Ich glaub das war der erste Bericht 2014, als es anfing und die Krankheit präsenter wurde (die Schauspielerin Madlen Kaniuth berichtete damals).  Ich dachte „Das habe ich auch!“ und machte einen Termin beim Phlebologen in Stuttgart. Die Diagnose erhielt ich im Januar 2015.

Dann fing ich an, an mir zu testen was geht und was nicht, weil ich nicht hinnehmen wollte, dass man nichts machen kann. In den letzten 3 Jahren habe ich zum Beispiel die HCG-Kur versucht und die Wettkampfvorbereitung gemacht. Ich konnte feststelle, dass sich meine Beine durch weniger Kohlenhydrate, Fett und Milchprodukten verbesserten. Sowohl die Optik, als auch die Beschwerden – Schwellungen und Schmerzen – verbesserten sich.

Anna: Das sind tolle Ergebnisse. Konntest du dennoch auch Unterschiede zu Sportlerinnen ohne Lipödem feststellen?

Ivona: Ja. Dass konnte ich allerdings nur bei der Ernährung, was das Training angeht nicht. Wer mir schon länger folgt, weiß, dass ich am Anfang viel über weniger Gewicht und mehr Wiederholungen geschrieben habe. Dies stimmt nicht genau. Es hat mir zwar viel geholfen bei der Abnahme zu Beginn, heute trainiere ich aber wie jede andere Bodybuilderin auch: schwer und weniger Wiederholungen. Vor allem nach dem Beintraining merke ich, dass ich extreme Wasserbeine habe. Das legt sich aber nach ein paar Tagen immer. Unter Bodybuildern sagt man, sie laufen zu.

Meiner Meinung nach ist die Ernährung bei Lipödem das A und O. Ich habe gemerkt, dass mir Reis, Milchprodukte – bis auf Magerquark -, glutenhaltige Lebensmittel und Soja nicht gut tun. Ich lagere dadurch extrem Wasser ein und habe das Gefühl als ob die Lipödemzellen anschwellen. Deshalb lasse ich sie weitestgehend weg.

Aber ich bin auch nur ein normaler Mensch bzw. Frau und habe so meine Gelüste auf dies und jenes. Das gönne ich mir dann auch ab und zu. Allerdings nicht zu oft, weil ich einfach durch den langen Verzicht am nächsten Tag sehr darunter leide. Es gibt so vieles und leckeres Essen, dass man auf vieles gut verzichten kann. Mein Tipp alles selber machen, dann weiß man was drin ist

Anna: Liebe Ive, viele Dank, dass du dir so viel Zeit für mich genommen hast. Ich hatte einen wundervollen Tag, an dem ich eine wundervolle und inspirierende Frau kennen lernen durfte. Welchen Tipp kannst du abschließend anderen Lipödembetroffenen geben?

Ivona: Vielen Dank für dieses tolle Kompliment. Mein Tipp: Kocht euch lecker vor, damit ihr nicht zu Schrott beim Bäcker oder sonst was greifen müsst. Kauft und esst unverarbeitete Lebensmittel und lasst die Finger von Fast-Food und Fertigprodukte. Euer Körpers wird es euch danken. Finde deinen Weg und was dir gut tut, schmeiß raus was dir nicht bekommt und du wirst merken, es tut sich was. Man muss nicht so eisern Sport machen wie ich. Die Ernährung ist der Schlüssel zum Erfolg!

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